Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) hilft bei Diskriminierung. Foto: MEV

Alle müssen gleich behandelt werden

Artikel 1 der allgemeinen Erklärung für Menschenrechte

 

Eigentlich ist es ganz klar: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“. Das jedenfalls besagt Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Eigentlich selbstverständlich, doch leider gibt es in der Welt und in unserem Alltag immer wieder Diskriminierung und Benachteiligungen. Egal ob aufgrund von Herkunft, Religion, Alter, Geschlecht oder einer körperlichen oder geistigen Behinderung.

 

Um jedem, der sich benachteiligt fühlt, die Möglichkeit zu geben, rechtliche Schritte einzuleiten, wurde im Jahr 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) erlassen. Solltest du dich während deiner Ausbildung nicht gleich behandelt oder sogar benachteiligt und diskriminiert fühlen, dann kannst du dich auf das AGG beziehen. Erlassen wurde das AGG, um ein diskriminierungsfreies Umfeld für Frauen und Männer jeden Alters, jeder Konfession, Herkunft, Sexualität und körperlicher oder geistiger Einschränkung zu schaffen. Bereits bei einer Stellenausschreibung greift das AGG: So müssen sowohl Männer als auch Frauen angesprochen werden. Sie darf kein Hinweis auf die mögliche Herkunft des Bewerbers beinhalten oder Bewerber mit Einschränkungen ausschließen.

 

Vorstellungsgespräch

 

Manchmal kommt es im Vorstellungsgespräch zu unguten Situationen. Durch das AGG sind bestimmte Fragen nicht mehr zulässig. So musst du nicht darauf antworten, welche Ansichten du vertrittst oder welche politische Partei du wählst. Fragen zu einer körperlichen oder psychischen Einschränkung können als Benachteiligung angesehen werden. Trotzdem hast du nicht das Recht darauf, trotzdem eingestellt zu werden. Das ist per Gesetz ausgeschlossen. Aber wer will schon in einem Betrieb arbeiten, der schon im Vorstellungsgespräch nicht korrekt ist. Aber du hast ein Recht auf Entschädigung und Schadensersatz. Hier ist es wichtig, dass du das gesamte Bewerbungsverfahren dokumentiert hast, um die nötigen Beweise für eine Diskriminierung vorzulegen. Und es ist eine gesetzliche Frist von zwei Monaten einzuhalten.

 

Ausbildung

 

Aber was tun, wenn es während der Ausbildung zu Benachteiligung oder Diskriminierung kommt? Laut Gesetz gibt es fünf Arten von Benachteiligung: Belästigung, unmittelbare Benachteiligung,  mittelbare Benachteiligung, Anweisung zur Benachteiligung oder sexuelle Belästigung. Ganz wichtig, führe als erstes ein Gespräch mit deinem Ausbilder. Sollte das nicht helfen, dann wende dich an die zuständige Stelle im Betrieb und lege eine Beschwerde ein. Hole dir Unterstützung durch andere Mitarbeiter. Die nächste Instanz ist der Betriebsrat, der auch für die jungen Mitarbeiter in der Ausbildung zuständig ist.

 

 

Wenn wirklich nichts mehr hilft, dann hast du das Recht zur Leistungsverweigerung. Dies gilt in Fällen, in denen der Betrieb trotz deiner Beschwerde nicht handelt. Der letzte Schritt ist dann der Weg zum Arbeitsgericht. Dabei sollte man aber das AGG richtig verstehen. Es geht dabei nicht darum, die Unterschiede zwischen Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts, Herkunft, Religion oder körperlicher Unversehrtheit herunterzuspielen oder zu ignorieren. Diese Unterschiede gibt es, aber es ist wichtig, dass diese Unterschiede nicht mit Nachteilen für dich einhergehen.

 

Sexuelle Belästigung musst du dir nicht gefallen lassen. Hole dir sofort Hilfe.
Foto: Panthermedia.net/photogrphee.eu

 

Text: Anke Sturm